Notizen zum Status Quo, Teil 1

Weltberühmtes Foto von Joe Rosenthal

Stellen wir uns das vor:
Einige Menschen gelangen mit einem Schiff nach langer Reise über das Meer an eine fremde Küste. Sie steigen aus und betreten unbekanntes Land, das prachtvoll und fruchtbar vor ihnen liegt. Nach einer Weile nähern sich fremd aussehende dunkelhäutige Lebewesen, aus Sicht der Ankömmlinge, möglicherweise Menschen, möglicherweise feindlich gesinnt. Die Ankömmlinge erschießen diese Lebewesen und werfen die Leiber ins Meer. Sie beschließen dieses wunderbare Stück Erde in Besitz zu nehmen und stellen einen Fetzen Stoff an einem Stab auf, eine sogenannte Fahne. Sie teilen das Land auf und verkaufen Parzellen gegen Geld an andere Menschen, die dadurch Besitzer der Grundstücke werden und meinen etwas zu besitzen, weil sie es gekauft haben. Sie meinen nun etwas zu besitzen, das ihnen faktisch und genau besehen gar nicht gehören kann.

Aus der Vogelperspektive besehen:
Wer oder was gibt den ankommenden Menschen das Recht zu töten?
Wer oder was gibt den ankommenden Menschen das Recht, etwas in Besitz zu nehmen, was sie vorfinden?
Was muss geschehen, damit Menschen derartig vorgehen, respektive: Ist "der Mensch" einfach so?

Die moderne Wissenschaft hat einiges dazu beizutragen, der Stoff dazu könnte Monate an ganztägigen Vorlesungen füllen. Aber um eine ganz lange und komplexe Geschichte kurz zu machen:

  1. Ökologische Katastrophen bewirkten eine Umschaltung des Menschen vom grundsätzlich mütterrechtlich organisierten Verbund zum Vaterrechtlichen. In Zeiten lebensfeindlicher Knappheit in einst fruchtbaren Gebieten schwanden die nutzbaren Ressourcen. Das Überleben des Stammes, der Gruppe, der Lineage hing davon ab, ob jene Menschen in der Lage waren Freund von Feind zu unterscheiden und gefundene Ressourcen für sich zu gewinnen.
  2. Abstraktes Denken und dessen Codierung in bestimmten Sprachformen, der Bau von Waffen, das Entwickeln von Strategien zur Eroberung und Verteidigung wurden zur Überlebensfrage. Das Gehirn schwang sich in jenen lange vergangenen Zeiten zum Herrscher über das lebendige System Mensch auf.Die Wahrnehmungsweise der Menschen änderte sich drastisch. Dies wurde bereits bestens von Sokrates und Platon geschildert.

    https://www.youtube.com/watch?v=QFi8JUIwu2s


  3. Die Geschichte wird erzählt von den Überlebenden, von den Siegern jener Auseinandersetzungen. Die Wissenschaft findet rund um die Welt Hinweise archäologischer, ethnologischer, linguistischer und neurologischer Art, welche diese Entwicklungen belegen. Grundsätzliche Stichworte: Saharasia-Theorie, Selfish-Brain-Theorie.












  4. Die Wissenschaft kann ebenso zeigen, dass Menschen sich nicht grundsätzlich so verhalten sondern auch viel konstruktivere, empathischere und liebevollere Lebensformen entwickelt haben. Grundsätzliches Stichwort: Continuum-Concept nach Jean Liedloff.







  5. Über die vielfältigen Völkerwanderungen über die Jahrtausende breitete sich diese dergestalt konfigurierte Menschheit rund um die Erde aus. Friedfertigere Ethnien wurden mehr und mehr überrannt, ausgelöscht. Ganze Kultursysteme wurden ausgelöscht und versanken im Vergessen.


Wir müssen uns vor Augen halten, dass jene Geschichte, die wir gelernt haben, Stichworte Griechisches Reich, Römisches Reich, Kolonial- und Besiedlungsgeschichte direkter Ausdruck dieser über Jahrtausende stattfindenden Entwicklungen sind.Erobern, Ressourcen sichern, Krieg führen, Unterwerfen.

  1. Der sogenannte neoliberale Kapitalismus hat diese Kriegsführung geschickt von den Ländern der "Starken Nationen" in andere Teile der Welt verlagert.
  2. Bis vor etwa 150 Jahren konnten die Biotope die erzeugten globalen ökologischen Schäden noch abfangen. In Folge der immer schneller vonstatten gehenden Ressourcenausbeutung und -zerstörung gelangt dieses Verhalten nun an naturgegebene Grenzen. Mit jedem Jahr laufen wir schneller auf eine in Kürze (wir sprechen von Jahrzehnten) mit schnell ansteigender Wucht uns begegnende ökologische Katastrophe zu, welche insbesondere von klimatischen, epidemischen Ereignissen geprägt werden wird, vollkommen unabhängig davon, wer auf der Erde die Macht, die Weltherrschaft oder was auch immer errungen hat.
  3. Sollte an den Traumas, die hinter all diesen Entwicklungen arbeiten, nicht heilerisch gearbeitet werden können - und zwar im großen Stil - wird die Erde samt allem Lebendigen, also auch uns Menschen, in eine mindestens Jahrhunderte andauernde Phase der Katastrophen und Zerstörung einmünden müssen.
  4. Elitekreisen ist diese Entwicklung bekannt und bewusst. Sie wurde präzise erforscht (z.B. finanziert von der Bill Gates Stiftung) in In ihren Strategien heisst die probate Lösung: Reduzierung der menschlichen Population auf maximal 500 Millionen Menschen. Dazu müssten aktuell also 7 Milliarden Menschen entsorgt werden.

Unser über Tausende von Jahren herangewachsenes, auf unverarbeitenden Traumas gründendes Kultursystem, dessen modernster Sproß der sogenannten neoliberale Kapitalismus ist, fährt unsere Biosphäre gerade mit täglich wachsender Geschwindigkeit vor die Wand.

Gelingt es, das Steuer noch herumzureißen? Das Wissen dazu ist absolut bekannt.
Werden Hardliner die Vernichtung von Milliarden Menschen beschließen und zur Umsetzung übergehen?
Werden wir in klimatische und ökologische Katastrophen hineinschliddern, die von unserer Spezies über Jahrtausende ausgelöst worden sind?
Wird alles gerade noch soeben gut gehen? Nein, wird es nicht. Wir haben aktuell bereits über 80% der Arten auf dieser Erde ausgerottet, wozu wir keinerlei Recht hatten und haben. Wir missbrauchen tagein, tagaus nicht nur Flora und Fauna sondern auch Angehörige der eigenen Spezies. Nein, es kann nicht gut gehen, weil es schon lange schief geht.

Das Ergebnis wird sein?
Auch diese Geschichte werden die Überlebenden und die Wissenschaften der Überlebenden berichten, so es sie geben wird.

Fakt ist dies: Die Menschheit in einem kapitalistisch geprägten Kontext wird immer schwerer in "ein Boot" zu holen sein: Privateigentum und Konkurrenz sind tragende Momente der Marktwirtschaft. Sie senken die Bereitschaft zum Gemeinsinn signifikant. "Die ihren jeweiligen Sonderinteressen folgenden Individuen werden zu Punkten "im unüberschaubaren Geflecht lose gekoppelter und situativ sich wandelnder Netzwerke" (Richard Münch 1998, 373). Politik missrät dann zu einem  "Aushandlungsmarathon, bei dem eine unüberschaubare Zahl von Einzelinteressen miteinander im Kampf liegen" (ebd., 370f).


Im zweiten Teil werden wir uns anschauen, was jeder Mensch tun kann, um den längst überfälligen Umschwung zu manifestieren.

Everybody can make a difference!
(Greta Thunberg)


Humanity is the only family, and we believe the only way humanity will survive is if we care enough for each other.
(John McLaughlin)